September 2010

Verfasst von Oliver Kaiser am 1 September 2010 | 0 Kommentare

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Liebe Mitglieder,
liebe Freundinnen und Freunde unserer Gemeinde,

„Miau!“ Als ich vorgestern Abend im Büro arbeitete, hörte ich immer wieder Katzenlaute aus Richtung Kirche; „von den offenen Fenstern her“, dachte ich. Aber ein paar Minuten später stand die junge Katze auf einmal neben mir. „Miau!“ Wir erschraken beide ob der unerwarteten Begegnung, und weg war sie. Aber wo war sie? In der Kirche war nichts mehr zu hören. Meine Freundin, die feinere Ohren hat als ich, ortete schließlich erneutes „Miauen“ auf dem Dachboden und entdeckte die Besucherin dort. Die Frage, wie sie eigentlich hereingekommen war, erschien unbedeutend angesichts der Tatsache, dass das Tier irgendwie nicht mehr gehen wollte. Sie wirkte irritiert und ein wenig überfordert. Was macht man mit so einer Katze, die irgendwelchen Menschen bestimmt lieb und teuer ist? Ein Anruf bei der Polizei half nicht weiter. Dort hieß es, man könne Katzensachen nicht aufnehmen, und sie werde schon nach Hause finden. Und wenn es ganz ernst sei, könnte ich ja beim Tierheim anrufen. Beim Tierheim informierte mich die Ansage – es war nach 22.00 Uhr –, in Notfällen könne ich mich an eine Polizeistation wenden. Also half nur, eine eigene Entscheidung zu treffen. Da die Familie meines Bruders schon zwei süße Katzen durch Verkehrsunfälle verloren hatte, war ich mir der Tragweite der Überlegungen bewusst. Schweren Herzens wurde die Katze schließlich nach draußen geleitet, und Fenster und Türen sogleich geschlossen. Irgendwann war sie in der Dunkelheit verschwunden.

Und siehe da, am nächsten Morgen schlich sie schon wieder um das Pfarrhaus und miaute ein stolzes „Guten Morgen“, so als wollte sie sagen: „Siehst Du, ich habe es geschafft. Ich mach meinen Weg als Katze.“

Nur eine Katzenepisode. Aber irgendwie ist es mit den Menschen, die einem anvertraut sind ähnlich, ob nun als Papa, als Partner oder wer auch immer. Ich kann dem anderen seinen Weg, seine eigenen Erfahrungen nie abnehmen. Er muss selbst gehen. Ich kann ihn nur begleiten, und dann muss ich ihn lassen, auch wenn der Weg anders aussieht, als zumindest ich es für richtig hielte. Wie gut, dass ich als Glaubender den anderen nicht einfach in ein zufälliges Schicksal laufen lassen muss. Ich lasse los und vertraue ihn zugleich dem an, der sich uns bekannt macht als „ICH BIN DA“. Dass ER da ist für den anderen, ist wichtiger, als dass ich mich in alles einmische.

Auf was für Gedanken einen so ein Katzenbesuch bringen kann! Danke, Katze!

Herzlich grüßt Sie und Euch

Pfr. Oliver Kaiser


Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle das ewige Leben haben · Jh 3,16